Blau III

Fachtagung PHONETIK UND KOMMUNIKATION

12. bis 14. Februar 2004
Heinrich-Fabri-Institut der Universität Tübingen in Blaubeuren


Abstracts, Extras, und Fotos der Tagung

Bericht der Tagung: [pdf] [doc]

Livia Adamcova, Bratislava: Wie viel Phonetik braucht ein Hochschulstudent?
Alejandra Andrada, Hamburg: Wort- und Satzakzentuierung
Elisabeth Bach, Kaiserslautern: Mündliche Wirtschaftskommunikation
Beate Diener, Jena: Korrektive Phonetik im DaF-Unterricht. Der Lehrende als Vermittler
Roland Forster, Saarbrücken: Die Richtigkeitsbreite in der mündlichen Kommunikation
Ursula Hirschfeld, Halle: Aussprache lehren - Anforderungen und Voraussetzungen
Cordula Hunold, Leipzig: Was soll ein DaF-Lehrender wissen und können? - Eine Umfrage unter chinesischen Deutschlehrern zu ihren eigenen Fremdsprachenlern- und -lehrerfahrungen
Katrin Kaup & Ulrike Magarin, Bielefeld: Die Bedeutung der Phonetik im Hochschulfach DaF: Bestandsaufnahme, Bedarf, Perspektiven
Ulrike Königs, Bochum: Die Umsetzung des Europäischen Referenzrahmens bei der "Creditierung" von Kommunikationstrainings
Friederike Kutscha & Ulrike Würz, Jena: Analyse von DaF-Lehrwerken und DaF-Grammatiken bzgl. Phonetik
Horst Liedtke, Göttingen: Bewertung von Referaten
Herrad Meese, München: Radio D - ein Radiosprachkurs für Anfänger
Grit Mehlhorn, Stuttgart: Möglichkeiten und Grenzen einer individuellen Aussprachelernberatung
Ileana Moise, Bukarest: Phonetik und Phonologie in Theorie und Praxis. Überlegungen zu Curricula für die Ausbildung von Germanisten und Deutschlehrern
Claudia Müller, Leipzig: Phonetische Fehler bei Afrikaans Sprechenden - Behinderung der Kommunikation?
Baldur Neuber, Jena: Phonetische und rhetorische Wirkungen sprechstimmliche Parameter
Elisabeth Neurohr, München: Hörverstehen und Phonetik für asiatische Deutschlerner
Tanja Olbrich, Halle: Phonetische Gruppenspiele im DaF-Unterricht
Kerstin Reinke, Leipzig: "Klangspiele" - Spiele zur Phonetik (Workshop)
Julia Richter, Bielefeld: Zum Anbilden der R-Laute in Gruppen fortgeschrittener, erwachsener Lerner mit heterogener L1
Beate Rues, Jena: Varietäten und Variation
Wolfgang Rug, Tübingen: Der Grammatik (und dem Grammatikunterricht) Klang verleihen
Stefan Schwegler, Mannheim: Basisübungen zu Atemtechnik und Lautbildung
Jürgen Trouvain, Saarbrücken: Prosodische und lautliche Aspekte von Rhythmus. Demonstrationen, Übungen, Regeln.
Klaus Vorderwülbecke: Einblicke in die Intonation - "Einblicke" in der Intonation

Livia Adamcova, Bratislava: Wie viel Phonetik braucht ein Hochschulstudent?

In Anlehnung an das Buch von Mathilde Hennig "Welche (wie viel) Grammatik braucht der Mensch?" versuche ich in meinem Beitrag festzustellen, welche Kenntnisse und Erfahrungen die Sprachkommunikation in einer Fremdsprache bestimmen und beeinflussen. Zur Kommunikationsfähigkeit ausländischer Deutschlerner gehört nämlich auch eine angemessene Aussprache, denn Kommunikation ist häufiger durch Aussprachemängel gefährdet als durch Grammatikfehler. Was ist aber die "angemessene Aussprache"? Wie erreicht man sie?
Mit meinem Beitrag möchte ich auf die Bedeutung der Phonetik im universitären Bereich (Germanistikstudium, Vorbereitung zukünftiger Deutschlehrer, Lehrerfortbildung usw.) hinweisen, u. a. auf den Umfang von Phonetikkenntnissen, die die reibungslose Kommunikation in der deutschen Sprache gewährleisten. Eine der wichtigsten Aufgaben der Phonetik sehe ich auch darin, Voraussetzungen zur Überwindung des "Falschhörens" bzw. des "Nichthörens" bestimmter phonetischer Erscheinungen zu schaffen. Dieses "Nichthören" hat auch ein "Nichtsprechen-Können" zu Folge und zwar sehr oft in Form von Interferenzerscheinungen auf lautlichem , artikulatorischem und intonatorischem Gebiet.
Zum Schluss werde ich eine Umfrage unter slowakischen Deutschlernern an der Universität Bratislava zu ihren eigenen Kommunikations-, Aussprache- und Intonationsproblemen erörtern und analysieren.
Alejandra Andrada, Hamburg: Wort- und Satzakzentuierung

Was ist eigentlich der Akzent? Unter Akzent wird die Hervorhebung auf Wortebene verstanden. Als Wort wird entweder ein Lexem oder eine Gruppe von Silben verstanden, die sich einem Akzent unterordnen. Die Sprachen der Welt teilen sich in zwei Gruppen: Akzentsprachen und Tonsprachen. In den Sprachen, in denen die Stellung des Akzentes beweglich ist, ist er potentiell funktionell, d.h. er kann Wortbedeutungen unterscheiden. Im Deutschen zum Beispiel hat ein zusammengesetztes Wort einen Hauptakzent und einen oder mehreren Nebenakzente. Um die Wortakzentuierung beschreiben zu können, müssen drei Wortarten unterschieden werden: einfache deutsche Wörter, fremde Wörter und Komposita.
In meinem Beitrag möchte ich versuchen, die Funktionen des Akzentes im Deutschen, die Grundregeln zur Wortakzentuierung mit Beispielen sowie auch die Satzakzentuierung bzw. die Thema - Rhema - Struktur zu erklären. Es ist meine Absicht, neben einem kurzen theoretischen Überblick der beiden Themen, die Schwierigkeit im DaF - Unterricht darzustellen, die in sehr heterogenen Gruppen zu beobachten ist. Ich werde Tonaufnahmen mitbringen.

Thesenpapier: [pdf] [doc]

Elisabeth Bach, Kaiserslautern: Mündliche Wirtschaftskommunikation

Am Studienkolleg Kaiserslautern (FH) beschäftigt sich im Fachsprachenunterricht Wirtschaft in diesem Semester ein Kurs mit dem Schwerpunkt Wirtschaftskommunikation. Zum Programm des Kurses gehören Fachwortschatz, Hörverstehen, Schreibtraining und die Erweiterung mündlicher Kommunikationsfähigkeit. Die Teilnehmer lernen insbesondere sich mündlich über wirtschaftliche Sachverhalte zu äußern. Ausgehend von der Analyse von Marktentwicklungen und der Diskussion von Marktstrategien werden die Präsentation eines Unternehmens und seiner Produkte, die Vorbereitung und Teilnahme von Verhandlungen sowie das Argumentieren in einer Verhandlungssituation trainiert. Ein Problem in solchen Kursen stellt die mangelnde Einsicht der Teilnehmer in die Notwendigkeit dar, über kommunikatives und sprachliches Wissen zu verfügen, da die Studierenden vor dem Hintergrund der "drohenden" Feststellungsprüfung in der Regel stärker an einsatzfähigem Fachwissen interessiert sind als an kommunikativen Fähigkeiten. In der Arbeitsgruppe sollen Möglichkeiten erörtert werden, den schwer zugänglichen Bereich der mündlichen Kommunikation im Hinblick auf Erwerb von kommunikativer Kompetenz und damit mündlicher Handlungsfähigkeit zu erschließen, sowie die Frage nach Kommunikationstrainings gestellt werden.

Beate Diener, Jena: Korrektive Phonetik im DaF-Unterricht. Der Lehrende als Vermittler

Aussprache ist nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sondern sie sagt auch etwas über die Persönlichkeit von Sprechern aus. Sie ist damit im selben Maße überindividuell wie sie individuell ist.
Im folgenden Beitrag soll versucht werden, die Bedeutung von Ausspracheregeln im DaF-Unterricht unter besonderer Berücksichtigung der jeweiligen Lehrer- und Lernersituation zu erläutern.
In Gesprächen gilt für die Aussprache ein anderer Standard, als er etwa für die Bühnenaussprache gilt. Da der DaF-Unterricht möglichst authentisch gestaltet und nahe an dem sein sollte, was Muttersprachler tatsächlich kommunizieren, ist es notwendig, grundlegende Regelhaftigkeiten der Aussprache in Gesprächssituationen in den Unterricht zu integrieren (wie etwa: Regel für /r/-Vokalisation, Auslautverhärtung, progressive Stimmlosigkeitsassimilation, fester Stimmeinsatz u.a.). Dabei kommt dem Lehrer nicht nur eine entscheidende Vorbildfunktion zu, sondern auch die Aufgabe, mit dem Wissen um positionsabhängige Realisierungsanweisungen von Aussprache und koartikulatorischen und reduktionalen Phänomenen in Theorie und Praxis vertraut zu sein.
In diesem Beitrag sollen verschiedene Regeln für die Aussprache in Gesprächssituationen vorgestellt und diskutiert werden, mit dem Ziel, dadurch eine Sensibilität für die Notwendigkeit von phonetisch gut geschulten DaF-Lehrern herzustellen.

Roland Forster, Saarbrücken: Die Richtigkeitsbreite in der mündlichen Kommunikation

Wer Sprachen lernt, sehnt sich geradezu nach klaren Vorgaben, die ihm eine Orientierung nach 'richtig' und 'falsch' erlauben. Allerdings müssen Lernende bald feststellen, dass es in der mündlichen Kommunikation immer wieder ein 'auch richtig' gibt. Es existiert also so etwas wie eine Bandbreite von Formen, die - in Abhängigkeit von der Kommunikationssituation und weiteren Faktoren - gleichermaßen als korrekt erlebt werden. Im Vortrag soll der Versuch unternommen werden, dieses Phänomen der Richtigkeitsbreite in Elementar- und in Komplexprozessen näher zu beschreiben.

Thesenpapier: [pdf] [doc]

Ursula Hirschfeld, Halle: Aussprache lehren - Anforderungen und Voraussetzungen

In den beiden vorangegangenen Blaubeurener Fachtagungen haben sich die Teilnehmenden mit dem Bedingungsgefüge für einen guten Ausspracheunterricht auseinandergesetzt: Ausschlaggebend für das Niveau und den Erfolg des Unterrichts sind die Lehrenden, das ergibt sich aus der Vielzahl von Konditionen, aus Gruppenspezifik und der notwendigen Individualisierung hinsichtlich Aufgaben und Methoden. Diese Aspekte können in Lehrprogrammen und Lehrwerken nicht ausreichend berücksichtigt werden. Folgende Leistungen werden deshalb von den Lehrenden erwartet (vgl. Dieling/Hirschfeld 2000:16):
  • Sie bestimmen für die jeweilige Lerngruppe Stellenwert, Ziele, Inhalte und Methoden des Aussprachetrainings.
  • Sie sind Vorbild in der Aussprache und demonstrieren mit geeigneten Tonmaterialien Varianten der Standardaussprache.
  • Sie kennen die phonologischen und phonetischen Grundlagen des Deutschen und der Ausgangssprache(n) und vermitteln Regeln und Kenntnisse je nach Notwendigkeit.
  • Sie beherrschen die didaktischen Möglichkeiten, d.h. sie setzen gezielt Übungsmethoden ein, nutzen vorhandene Übungsangebote und variieren sie oder entwickeln selbst Übungen.
  • Sie sorgen für methodische Abwechslung und ausreichende Automatisierung.
  • Sie erkennen Ausspracheprobleme der Lernenden und korrigieren sie.
  • Sie bewerten Ausspracheleistungen.
  • Sie motivieren die Lernenden.
Welche Voraussetzungen sollten "ideale Lehrende" erfüllen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden? Im Vortrag werden dazu einige Ergebnisse der Diskussionen von Blaubeuren vorgestellt.

Cordula Hunold, Leipzig: Was soll ein DaF-Lehrender wissen und können? - Eine Umfrage unter chinesischen Deutschlehrern zu ihren eigenen Fremdsprachenlern- und -lehrerfahrungen

Grundlage des Vortrages bildet eine Umfrage unter chinesischen Deutschlehrern, die ich im November 2003 in Beijing und Tianjin durchgeführt habe. Die Lehrenden wurden zu ihren eigenen Fremdsprachenlernerfahrungen befragt, d.h. über die Zeit, als sie selbst Deutsch gelernt haben. Außerdem wurde nach Lehrerfahrungen zum Bereich Phonetik gefragt.
Traditionell ist die Sprachausbildung in China sehr grammatikorientiert und schriftfixiert. Mündliche Handlungskompetenz und eine gute Aussprache scheinen daher eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Korrigiert wird häufig nur im Anfängerunterricht, später hingegen kaum noch. Manchmal kommt zum Unvermögen der chinesischen Lehrer, Fehler zu hören auch die eigene mangelhafte Aussprache bzw. die Angst durch eigene Fehlleistungen vor den Lernern bloßgestellt zu werden hinzu.
Ergebnisse der Umfrage könnten Aufschluss über den Ausspracheerwerb chinesischer Muttersprachler geben. Gefragt wird also nach der Rolle des Lehrers im Phonetikunterricht und dessen Einfluss auf den Ausspracheerwerb der Lernenden. Zur Diskussion könnte auch die unterschiedliche Rolle von deutschen und muttersprachigen Aussprachelehrern gestellt werden.

Katrin Kaup & Ulrike Magarin, Bielefeld: Die Bedeutung der Phonetik im Hochschulfach DaF: Bestandsaufnahme, Bedarf, Perspektiven

Bei der Diskussion über einen "phonetisch-phonologischen Kanon" für DaF-LehrerInnen sollte auch die Bedeutung von Phonetik im DaF-Studium angesprochen werden. In unserem Kurzvortrag beleuchten wir Letzteres aus zwei Perspektiven. Zunächst präsentieren wir Ergebnisse einer Untersuchung der Studienordnungen und Vorlesungsverzeichnisse deutscher Universitäten, die DaF in einem grundständigen Studiengang anbieten. Folgende Fragen leiten die Untersuchung: Inwieweit ist der Bereich der Phonetik durch die Studienordnungen vorgeschrieben? Wie groß und wie vielfältig ist das Veranstaltungsangebot?
Über den institutionellen Status hinaus gehen wir auf die Bedeutung der Phonetik aus studentischer Sicht ein. Auf der Basis von Befragungen Bielefelder DaF-Studierender werden u.a. folgende Fragestellungen bearbeitet: Lassen sich Unterschiede zwischen der universitären Realität und dem Bedarf an Phonetik seitens der Studierenden feststellen? Differieren die Ansichten, wenn bereits Lehrerfahrungen im Fremdsprachenunterricht Deutsch gesammelt wurden? Lassen sich unterschiedliche Einstellungen ausmachen, wenn Deutsch nicht als Muttersprache gelernt wurde? Hieraus abgeleitete Vorschläge für die Studiengestaltung bilden den Abschluss der Ausführungen.

Ulrike Königs, Bochum: Die Umsetzung des Europäischen Referenzrahmens bei der "Creditierung" von Kommunikationstrainings

Die studienbegleitenden Lehrveranstaltungen DaF im Bereich Mündlichkeit genießen trotz hohen Zulaufzahlen im Kreis der Kollegen, die andere Schwerpunkte - insbesondere Grammatik - lehren, meiner Erfahrung nach wenig ansehen. Woran liegt das? Vielleicht können wir uns im Rahmen der Tagung auch darüber verständigen.
Einen guten Ansatz, um das Angebot im Bereich mündliche Kommunikation auf solide Füße zu stellen und die Inhalte und Lernziele differenziert nach verschiedenen Niveaus für den Kreis der Kollegen wie auch für die Lehrenden transparent zu machen bietet der Europäische Referenzrahmen mit seinen 6 Stufen. Dort wird von den 4 Fertigkeiten das Sprechen als einzige weiter unterteilt in "an Gesprächen teilnehmen" und "zusammenhängend sprechen". Auf diese Weise lassen sich Bemühungen der Unterteilung in Rede- und Gesprächsrhetorik weiter absichern.
Will man die Charakteristik der Kompetenzstufen für den Bereich der Hochschule anwenden, sind sie näher zu differenzieren, zu erweitern und auf die 3 Domänen "privat/ Umfeld alltagssprachlich", "ausbildungsbezogen" und "öffentlich/ beruflich" zu beziehen. Anhand der Niveaubeschreibung sollte eine Selbsteinschätzung sowie eine Einstufung durch Lehrende, das Eingangsniveau wie auch das Niveau und der Zugewinn am Ende eines Kurses nachvollziehbar und transparent werden. Nach Möglichkeit sollten mindestens 3 Lernerniveaus angeboten werden: Grundstufe II (4 Monate - 4 Jahre Dt.), Mittelstufe I (über 4 Jahre Dt.) und Mittelstufe II/ Oberstufe (post DSH/Pnds, 7 - 11 Jahre Dt.). Den Ansatz eines Curriculums, den ich zur Zeit erarbeite, würde ich gerne mit Ihnen diskutieren.

Friederike Kutscha & Ulrike Würz, Jena: Analyse von DaF-Lehrwerken und DaF-Grammatiken bzgl. Phonetik

Beginnen wollen wir mit der Vorstellung einer Analyse von DaF-Lehrwerken und DaF-Grammatiken hinsichtlich folgender Gesichtspunkte: Ist Phonetik ein Thema?
Wenn ja, in welchem Kontext steht Phonetik bzw. in welchem Kontext wird sie behandelt?
Welche Gebiete werden fokussiert? Wie sehen die Übungen aus?
In welchem quantitativen Verhältnis steht Phonetik zu anderen sprachlichen Themen?
Danach möchten wir mit einem Blick auf neuere Spracherwerbstheorien zu unserem Plädoyer für die Verbindung von Grammatik und Phonetik kommen. Im Anschluss möchten wir eigene Übungsvorschläge, die wir mit Probanden vom Institut für Auslandsgermanistik "testen" wollen, vorstellen und zur Diskussion bringen.

Horst Liedtke, Göttingen: Bewertung von Referaten

In dieser AG steht die Kommunikation im universitären Kontext im Mittelpunkt. Eine zentrale Anforderung an die Studierenden ist dabei das Halten von Referaten, was für ausländische Studierende aus verschiedenen Gründen eine besondere Hürde darstellt. Bei den Lernergruppen in universitären Deutschkursen handelt es sich in der Regel um in Bezug auf Herkunft und sprachliche Fähigkeiten heterogene Gruppen, dies gilt besonders im Hinblick auf das Halten von Referaten. Einige sind damit vertraut, für andere ist dies eine auch im Studium ungewohnte sprachliche Handlung. Deshalb sollte versucht werden, aufbauend auf Vorwissen und die Vorkenntnisse auch die Urteile der studentischen Zuhörer, geleitet durch einen Bewertungsbogen, konsequent mit einzubeziehen. Dieser Bewertungsbogen sowie damit gewonnene Beurteilungen studentischer Referate sollen in Blaubeuren vorgestellt und zur kritischen Diskussion gestellt werden.

Herrad Meese, München: Radio D - ein Radiosprachkurs für Anfänger

Hören - ja klar, aber wie? Kann das Hören über globale Leitfragen oder detaillierte Höraufgaben so gesteuert werden, dass fokussiertes Hören möglich ist? Ist das überhaupt sinnvoll und ist es wirklich möglich? Was ist dabei methodisch zu beachten?
Anhand von unterschiedlichen Hörbeispielen aus dem Radiosprachkurs Radio D soll diskutiert werden, wie Grammatik und Phonetik mit Hören verbunden werden könnten: Hören - Verstehen - Strukturen herauskristallisieren - Klänge hören.
Der Sprachkurs Radio D wird primär zweisprachig (mit jeweils fremdsprachlichen Erläuterungen) über die Deutsche Welle und Radiosender im Ausland ausgestrahlt; es ist jedoch geplant, ihn auch über einen Verlag (2 CDs mit den deutschsprachigen Hörszenen und mit einem Begleitbuch) zu vertreiben.

Grit Mehlhorn, Stuttgart: Möglichkeiten und Grenzen einer individuellen Aussprachelernberatung

Lernstrategien und Sprachlernberatung spielen gerade im Zusammenhang mit der Förderung selbstgesteuerten Lernens eine immer wichtigere Rolle. An der Universität Leipzig wurde beispielsweise ein Modul eingerichtet, in dem Studierende des Faches Deutsch als Fremdsprache eine zusätzliche Ausbildung zum Lernberater absolvieren können.
In den bisher durchgeführten Lernberatungen hat sich immer wieder gezeigt, dass viele Lernschwierigkeiten ausländischer Studierender auf Defizite im Hörverstehen und in der Aussprache zurückzuführen sind und ein großer Bedarf an individueller Aussprachelernberatung besteht. In dem Beitrag sollen die Chancen, aber auch die Grenzen einer solchen Beratung anhand konkreter Beispiele aus der Beratungspraxis erläutert werden und davon ausgehend Schlussfolgerungen für das Vorgehen in Aussprachelernberatungen, Anforderungen an den Lernberater sowie für die Integration von Elementen der Didaktik der Phonetik in eine solche Beraterausbildung diskutiert werden.

Ileana Moise, Bukarest: Phonetik und Phonologie in Theorie und Praxis. Überlegungen zu Curricula für die Ausbildung von Germanisten und Deutschlehrern

Die korrekte, normadäquate Aussprache (korrekte Bildung der Einzellaute, deren Kombination, die angemessene Intonierung) sind für die Entwicklung des sprachkommunikativen Könnens in der Fremdsprache von außerordentlicher Bedeutsamkeit, da ungeschulte, aber auch geschulte muttersprachliche Hörer in der Kommunikation mit deutschsprechenden Ausländern erheblichen Schwierigkeiten begegnen, wenn ihre Muttersprache mit störend "fremdem Akzent" gesprochen wird.
Ausländischen Germanisten und DaF-Lehrern müssen solide phonetische und phonologische Charakteristika der Fremdsprache (Deutsch) vermittelt werden (Lautbildung und Intonierung im Deutschen aus kontrastiver Perspektive).
Neben der Aneignung von theoretischen Kenntnissen muss im Rahmen der korrektiven Phonetik von den zukünftigen Daf-Lehrern eine möglichst einwandfreie Aussprache angeeignet werden, die für die Lernenden als Modell dienen kann. In diesem Zusammenhang werden Überlegungen zu Lern- und Lehrmetoden für die Arbeit an der Entwicklung von Hör- und Aussprachefertigkeiten bei rumänischen Deutschlehrern und Deutschlernenden zur Diskussion gestellt.

Claudia Müller, Leipzig: Phonetische Fehler bei Afrikaans Sprechenden - Behinderung der Kommunikation?

Die Korrektur phonetischer Fehler im Fremdsprachenunterricht ist oft eine heikle Sache, weil die Aussprache sehr eng mit der Identität eines Menschen verbunden ist. Die Korrektur der Aussprache erfordert deshalb ein hohes Maß an Feinfühligkeit und Geschick, da das Imitierenkönnen einer bestimmten Aussprache nicht jedem in die Wiege gelegt worden ist. So müssen Fremdsprachenlehrer in der Lage sein, mit vielfältigen Methoden das Erlernen der richtigen Aussprache zu steuern und zu bewirken. Wenn ein fremder Akzent so stark ist, dass er die Verständigung behindert, ja gar unmöglich macht, liegt es auf der Hand, dass die Phonetik einen bedeutenden Teil des Unterrichts ausmachen sollte. Beim Erlernen der deutschen Aussprache haben es beispielsweise Chinesisch Sprechende viel schwerer als Niederländisch Sprechende, weil das Niederländische und das Deutsche mehr phonetische Gemeinsamkeiten haben als das Chinesische und das Deutsche. Die Abweichungen in der Aussprache niederländischer Deutschlerner sind meist nicht so gravierend, dass sie die Verständigung behindern. Ähnlich ist es mit Afrikaans Sprechenden. Wann, warum und wie korrigiert man in diesen Fällen? Anhand von Beispielen mit Niederländisch und Afrikaans Sprechenden sollen Vorschläge zur Korrektur von weniger schwerwiegenden phonetischen Fehlern besprochen und diskutiert werden.

Baldur Neuber, Jena: Phonetische und rhetorische Wirkungen sprechstimmliche Parameter

Die menschliche Sprechstimme unterliegt zahlreichen, zumeist unbewusst ablaufenden kommunikationsrelevanten Modifikationen. Hierzu zählen beispielsweise Phänomene wie Knarrstimme, Behauchung und Veränderungen der Nasalität bzw. der nasalen Resonanz. Als Rezipienten weisen wir diesen stimmlichen Modifikationen unterschiedlichste kommunikative Signalfunktionen zu. Menschliche Stimmen können uns z. B. Kompetenz, Emotionalitätsgrade des Gesprochenen, Sympathie, Erotik, Vertrauenswürdigkeit u.v.m. signalisieren. Das zugehörige phonetische Form- Funktions- Gefüge ist sowohl anatomisch-physiologisch als auch sprachlich-soziokulturell motiviert. Es unterliegt somit positiven und negativen interkulturellen Transfers.
Anhand des Datenbestands einer groß angelegten Studie (bisher 120 Vpn und ca. 11 000 Datensätze) zur objektiven nichtintrusiven und subjektiven Messung und Einschätzung von Nasalität wird der Facettenreichtum dieses Phänomens mit seinen kommunikativen und insbes. rhetorischen Konsequenzen dargestellt.
Es wird gezeigt, dass das bekannte binäre Unterscheidungsmodell zwischen nasalen und nichtnasalen Lauten für die Beschreibung und ggf. Didaktisierung der 'Rhetorizität der Stimme' erweiterungsbedürftig ist.

Elisabeth Neurohr, München: Hörverstehen und Phonetik für asiatische Deutschlerner

Aussprache und Hörverstehen stellen besonders für asiatische Deutschlerner zwei oft noch nach vielen Kursen unüberwindliche Hürden dar. Sie überwinden helfen möchte ein Zusatzkurs, in dem beide Fertigkeiten geübt werden und der versucht, sie aufeinander zu beziehen. Der bislang 14 Unterrichtseinheiten umfassende Kurs wird für Studierende angeboten, die an studienvorbereitenden Sprachkursen teilnehmen und die bereits die ersten beiden Intensivkurse (je 2 Monate à 20 Wochenstunden) an unserem Institut besucht haben. Neben progressiv angeordneten Hörübungen, der Entwicklung von Hörtechniken und (bezogen auf spätere Studienfertigkeiten) Notiztechniken stehen phonetische Übungen. In jeder Unterrichtseinheit wird ein insbesondere für Asiaten problematischer Bereich der Phonetik erkundet: Dessen Bewusstmachung und Übungen dazu schließen sich an die Arbeit mit den Hörtexten an.
Der Kurs wird seit über einem Jahr angeboten und inhaltlich von den daran beteiligten Kollegen ständig modifiziert.
Ein Überblick über den Aufbau des Kurses soll in dem Kurzvortrag gegeben werden; Beispiele einzelner Unterrichtseinheiten werden die praktische Arbeit veranschaulichen.

Tanja Olbrich, Halle: Phonetische Gruppenspiele im DaF-Unterricht

Spaß und Spiel erhöhen Lernfähigkeit und Lernbereitschaft. Allgemeine Gründe für das Spielen im Unterricht lassen sich viele finden, man denke dabei nur an die Auswirkungen auf gruppendynamische Prozesse, auf das ganzheitliche Lernen, das Schaffen von authentischen Kommunikationssituationen usw. In den unterschiedlichsten Lehrwerken findet man Einheiten, in denen Spielen im Unterricht integriert ist. Denn nicht nur Kinder lernen im und durch das Spiel, auch bei Erwachsenen ist spielerisches Lernen wirkungsvoller und nachhaltiger.
In diesem Beitrag soll es dabei nicht um die schon oft gestellte Frage gehen, warum man spielend besser lernt bzw. was den Spaß am Spiel ausmacht, sondern vielmehr um die Frage nach der Einbeziehung von unterschiedlichen Spielformen in den Phonetikunterricht. Wie können aus den schon vorhandenen kommunikativen Spielanweisungen phonetische Übungen konzipiert und im Unterricht integriert werden? Wie lassen sich Spiele als (Hör- und Sprech-) Handlungen für Gruppen entwickeln?
Der Beitrag soll als Anregung dienen, inwieweit das schon vorhandene Unterrichtsmaterial im Bereich der Phonetik abgewandelt und in einem Gruppenspiel integriert werden kann; denn oft ist es nicht ganz leicht, das passende Spiel für einen bestimmtes Ziel zu finden.

Spielesammlung, zusammengestellt von Manfred Huth: [pdf] [doc]

Kerstin Reinke, Leipzig: "Klangspiele" - Spiele zur Phonetik (Workshop)

Das Spielen und Experimentieren mit der Klangform von Sprache hat einen besonderen Reiz und ist auch aus dem DaF-Unterricht nicht mehr wegzudenken. Spiele zum Verbessern und Trainieren von Aussprachefertigkeiten sollten so konstruiert sein, dass sie einerseits das zu bearbeitende Thema (z.B. lange und kurze Vokale, Ich- und Ach-Laut, Rhythmus, ...) in ihrer Systematik zum Inhalt haben und andererseits auch Spielfreude auslösen, sowie - falls möglich - eine Verknüpfung mit anderen Lernbereichen (Grammatik, Lexik, Landeskunde, ...) und Kommunikationsbereichen (Dialoge, Rollenspiele, Geschichten erzählen, ...) erlauben.
Die in diesem Workshop vorgestellten Spiele sind von Phonetiklehrenden für den Unterricht entwickelt worden, bzw. in zahlreichen Projektseminaren mit DaF-Studierenden entstanden. Die Spiele sind zum großen Teil im Unterricht erprobt, doch manche haben auch noch "Ecken und Kanten." Sie laden ein zum Ausprobieren, zum Diskutieren und zum Variieren. Schließlich ist aber auch Ihre eigene Kreativität gefragt, die vorgestellten Spiele abzuwandeln oder ganz neue Spiele zu erfinden.

Julia Richter, Bielefeld: Zum Anbilden der R-Laute in Gruppen fortgeschrittener, erwachsener Lerner mit heterogener L1

Das Phonem /r/ gilt als das mit Abstand komplexeste Phonem des heutigen Deutschen. Seine Vermittlung stellt DaF-Lehrende daher vor nicht unerhebliche Schwierigkeiten, was auch darauf zurückzuführen ist, daß die meisten Phonetik-Lehrwerke zwar Übungen zur Festigung, nicht aber zum Anbilden von Lauten anbieten.
Im Rahmen dieses Kurzvortrags, der auf Erfahrungen aus zwei Semestern Ausspracheschulung für DaF-Studierende mit nicht-deutscher Muttersprache beruht, sollen daher die Möglichkeiten und Grenzen des Anbildens von R-Allophonen zusammenfassend dargestellt werden.
Dabei gehe ich wie folgt vor: Auf Grundlage von Diagnose-Aufnahmen der Kursteilnehmer werden zunächst Fehlertypen eruiert. Als häufigste Abweichungen von der Standardaussprache sind hier zu nennen: Realisierung eines apikalen Vibranten, lateralen Liquids oder postalveolaren Approximanten anstelle eines uvularen Frikativs oder Vibranten, weiter die Realisierung eines konsonantischen anstelle eines vokalisierten R-Lauts und schließlich die Unterdifferenzierung von Schwa-Laut und vokalisiertem R.
Ausgehend von den einzelnen Fehlertypen werden im folgenden Techniken des Anbildens aufgezeigt. Hierbei wird zum einen auf kognitives Regelwissen und Artikulationsanweisungen gesetzt. Zum anderen wird auf die große Relevanz vereinfachender Kontexte und das Anbilden über benachbarte Laute eingegangen.
Abschließend soll - gestützt durch eine Umfrage zu phonetischen Normativitäts-Urteilen unter deutschen Studierenden - die Möglichkeit diskutiert werden, die fortschreitende Vokalisierungstendenz im Deutschen für den Ausspracheunterricht zu nutzen.

Beate Rues, Jena: Varietäten und Variation

Der Lerner wird im Kontakt mit Muttersprachlern mit regionalen und situativen Aussprachevarianten, Reduktionen und Assimilationen konfrontiert, auf die er nicht vorbereitet ist und die das Verstehen oft erschweren. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie im Unterricht besser auf real gesprochenes Deutsch und Variation in der Aussprache vorbereitet werden kann. Hierzu sind nicht nur möglichst authentisches Tonmaterial sondern auch Kenntnisse über das Varietätengefüge, Variationsbedingungen und Variationsformen erforderlich.
Leitvarietät im Unterricht Deutsch als Fremdsprache sollte die Standardaussprache sein, die eine überregionale Gebrauchsnorm darstellt, die sich an der Sprechwirklichkeit orientiert bzw. ihr nahe kommt. Sie wird verstanden als Norm oder Richtschnur für eine natürliche, stilistisch adäquate, also situativ variable Lautung. Sie umfasst eine gehobene, relativ schriftnahe Sprechweise und die Gesprächslautung, die vom dialogisch gehaltenen Vortrag bis zur überregionale Aussprache in Gesprächen reicht.
Im Vortrag sollen typische phonetische Erscheinungen der überregionalen standardsprachlichen Gesprächslautung vorgestellt und deren Lehrbarkeit diskutiert werden. Hierzu zählen z.B. die Realisation von Suffixen (besonders -en), die Vokalrealisation in "schwachen Wort- und Silbenformen" und gesprächstypische phonetische Ellipsen. Die Natürlichkeit und die Bedeutung dieser Formen auch für einen natürlichen Sprechrhythmus soll an Beispielen demonstriert werden.
Abschließend werden exemplarisch Beispiele für standardnahe Umgangssprachen präsentiert und die Verwendbarkeit solcher und ähnlicher Beispiele für den DaF-Unterricht besprochen.
Präsentationsfolien: [ppt, 1,2 MB]

Wolfgang Rug, Tübingen: Der Grammatik (und dem Grammatikunterricht) Klang verleihen

Grammatik steht meist auf dem Papier - und auch viele Deutschlehrer und Lehrbücher lassen sie auf Dauer dort stehen: keine guten Voraussetzungen für das lebendige Erlernen einer lebendigen Sprache. Richtiges-Sprechen-Lernen wird zusätzlich behindert durch eine oft noch dominierende "grammatikalische" (= auf grammatische Regeleinhaltung hin orientierte) Unterrichtspraxis, nicht zuletzt auch in ausländischen Lerntraditionen. Gegen diese Lernqualen und gegen die ohnehin vorhandene muttersprachlich geprägte Sprachdisposition der Deutsch-Lernenden kommen vereinzelte und marginal eingefügte oder angeklebte Phonetik-Einheiten nicht an. Der falsche Weg.
Aber Grammatik muss doch gelernt werden - Deutsch als extrem morphologiereiche und mit weiteren Schwierigkeiten ausgestattete Sprache erfordert für die meisten Ausländer eine erhebliche Lernanstrengung. Damit das besser geht, ist "Musik" gefragt, so etwas wie "Deutsch-Klänge", grundlegend und von Anfang an und auf dem ganzen Lernweg.

Ich möchte also Phonetik als ein wichtiges, zentrales Fundament für Grammatik vorstellen. Nach einer (überblickartigen) Sichtung bekannter und vielleicht auch weniger bekannter Klangbedingungen grammatischer Strukturen und Funktionen
  • in der Wortmorphologie und Wortbildung,
  • in der funktionalen Stellung des Verbs im Satz (incl. Modalität, Zeit, Aktionsweise),
  • in den verschiedenen Typen des Satzbaus,
  • in der Grammatik einfacher und komplexer Nominalphrasen,
  • bei Satzgefügen und Texteinheiten,
  • bei kommunikativen Strukturen (z.B. Redepartikel u.a.),
  • in typischen Strukturen und Redeweisen der gesprochenen Umgangssprache,
  • beim emotionalen Sprechen ...
möchte ich eine Unterrichtspraxis skizzieren, die der Grammatik ihre Sprachlichkeit, ihre Mündlichkeit, ihre Klanglichkeit zurückgibt. Vielleicht ein richtiger Weg.

Stefan Schwegler, Mannheim: Basisübungen zu Atemtechnik und Lautbildung

Seit ca. einem Jahr unterrichte ich im Auftrag von AbsolventUM Mannheim DaF-Sprachstudenten auch in Phonetik.
Da ich mit Studenten aus aller Welt mit geringen oder keinen Vorkenntnissen der deutschen Sprache zu tun habe, musste ich mir eine besondere Methodik zurechtlegen. Ein theoretisches Herangehen an das Thema wäre innerhalb meiner Kurse (Phonetik I und II) ohne Sinn. Sicherlich beinhalten meine Kurse einiges an Improvisation und Experiment, wobei jedoch auch ein gewisses Maß an "Spielfreude" erhalten bleibt.
Gute Erfahrungen habe ich bisher machen dürfen, indem ich mich auf ein Basistraining der Lautbildung beschränke. Ich nehme hierbei Techniken der Schauspielerausbildung zu Hilfe (sic! "Der kleine Hey - Die Kunst des Sprechens") und übe mit den Studenten anfangs chorisch und später zunehmend individuell. Atemtechnik und Tonbildung, aber auch die Erlangung bzw. Erhaltung von Selbstvertrauen und Experimentierfreudigkeit stehen im Vordergrund. Gerne bin ich bereit eine Übung hierzu vorzustellen.

Jürgen Trouvain, Saarbrücken: Prosodische und lautliche Aspekte von Rhythmus. Demonstrationen, Übungen, Regeln.

Phonetische Abweichungen von Nicht-Muttersprachlern werden häufig auf der lautlichen und im zunehmenden Maße auch auf der prosodischen Ebene festgestellt. Eine explizite Gewichtung von "Aussprache-Fehlern" in Hinblick auf Verständlichkeit und den Grad des fremdsprachigen Akzents erfolgt hingegen selten. Nun stellen sich die folgenden Fragen, die besonders bei der Unterrichtung nicht-homogener Lernergruppen von Belang sind:
Was soll im Vordergrund des phonetischen Trainings stehen?
Wie soll/kann das phonetische Training aussehen?
Auf Erfahrung bauende Intuition lässt oft vermuten, dass vor allem rhythmische Eigenschaften eine große Rolle für die Verständlichkeit nicht-deutscher Sprecher spielen. Dabei lässt sich ein "deutscher" Rhythmus sowohl prosodisch in der Form von Wort- und Satzbetonung als auch lautlich in Form von Vokallänge und Realisierung von Schwa-Silben veranschaulichen und einüben. Allerdings existieren zwischen den prosodischen und den lautlichen Erscheinungen große Unterschiede was Erklärbarkeit, Formulierung von Regeln und auch Fülle von Übungen angeht. Im Vortrag werden Übungen, Demonstrationen und Regeln vorgestellt, die sich im Unterricht mit vorwiegend frankophonen Studierenden bewährt haben. Einen besonderen Diskussionspunkt bietet die Frage des Einflusses der Muttersprache auf die genannten rhythmischen Parameter (Stichwort: Akzentblindheit).

Klaus Vorderwülbecke, Mannheim: Einblicke in die Intonation - "Einblicke" in der Intonation

Ich will am Beispiel des Fernsehsprachkurses "Einblicke" zeigen, wie man mit (Dialog-Ausschnitten aus) Videofilmen vor allem intonatorische Gegebenheiten des Deutschen vorstellen und üben kann, also mit Material, das nicht speziell mit phonetischen Zielsetzungen erstellt wurde. (Intonation verstehe ich im weiten Sinne als Oberbegriff für Tonhöhenbewegung, Lautstärke, Dauer, Pausengliederung und emotionale Färbung). Dazu braucht man die gängigen grafisch-symbolischen Markierungskonventionen und auch einige neue, verschiedene Übungsablauf-Arrangements und etwas (Schau-)Spielmut. Dabei kann man z.B. zunächst vom Dialogtext ausgehen, diesen in Partnerarbeit markierend bearbeiten und rollenspielen, um diese Bearbeitung und die "Aufführung" dann mit der Videoversion zu vergleichen.
Dialogszenen aus Videofilmen bieten darüber hinaus als Mehrwert an, die gestisch-mimische Begleitung bzw. Unterstützung der intonatorischen Realisierungen gleich mit sehen und lernen zu können.


Extras

Übungsmaterialien zur Phonetik, soweit sie in Blaubeuren in der "Lehrwerkstatt" besprochen worden sind: [pdf] [doc]



Diese Seite wurde erstellt von: Jürgen Trouvain; letztmalige Änderung: 22.03.2004

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